(erschienen am 21. Juni.2006 – Auszug)
       
  Wohneigentum soll teurer werden
Studie sagt "nachhaltiges Anziehen der Immobilienpreise" voraus
 


Frankfurt/Main
– 15 Jahre lang dümpelten die Preise für Wohneigentum in Deutschland vor sich hin.
Finanzmarkt-Experten der Allianz-Gruppe rufen jetzt das Ende der "idealen Bedingungen" für heimische
Immobilieninteressenten aus. "Gleich mehrere Faktoren" sprächen für ein nachhaltiges Anziehen der Immo-
bilienpreise, heißt es in einer Studie zum privaten Immobilienmarkt.
   Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen sei Wohneigentum derzeit sogar günstiger als 1991. Damit nimmt
Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn eine Ausnahmestellung ein. Jenseits der Grenzen
explodierten die Preise für selbst genutztes Wohneigentum geradezu – so beispielsweise in Großbritannien mit
Preissteigerungen um über 100 Prozent.
   "Die oberflächliche Betrachtung des Gesamtmarktes verschleiert die massiven regionalen Diskrepanzen in
der Immobilienpreisentwicklung", sagt David Milleker, Volkswirt der Allianz Gruppe und Autor der Studie.
Insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland sei dieses Phänomen zu beobachten. Nach Ansicht von
Milleker befindet sich der ostdeutsche Immobilienmarkt nunmehr vor einer Erholung. Die Rückkehr zu
"normaleren", unverzerrten Verhältnissen in Ostdeutschland helfe dem gesamtdeutschen Immobilienmarkt
auf die Sprünge.
   Dabei sieht er drei Faktoren als wesentliche Ursachen:
Preisauftrieb durch internationale Investoren: In den Jahren 2004 und 2005 wechselten Immobilienpakete
im Volumen von jeweils rund 250 000 bis 300 000 Wohneinheiten, insgesamt also über eine halbe Million
Wohneinheiten, den Besitzer. Schätzungen gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren zwischen einem
Drittel und der Hälfte der 9,8 Mio. Wohnobjekte, die sich derzeit in kommunalem oder gewerblichem Besitz
befinden, den Eigentümer wechseln. Von den insgesamt gut 39 Mio. Wohneinheiten in Deutschland stehen
somit über zehn Prozent in der näheren Zukunft zum Verkauf. Diese neue Nachfrage werde die Immobilienpreise
generell nach oben treiben: Die Allianz-Volkswirte taxieren den Preisanstieg bei den großen Wohnungsportfolien
in den Jahren 2004 und 2005 auf annähernd 20 Prozent.
Belebung in der Bauwirtschaft: Besondere Signalwirkung für die Preise entfalte der Auftragseingang in
der Bauwirtschaft, und der zeige im gewerblichen und öffentlichen Bau Zuwächse. Der Wohnungsbau bleibe
zwar leicht rückläufig. Für die preislichen Perspektiven von Wohnimmobilien sei das freilich ein positives
Zeichen, erklärt Milleker, der bei gleichzeitig sinkenden Leerstandsquoten eine Angebotsverknappung sieht.
"Steigen aufgrund stärkerer Nachfrage in anderen Immobiliensegmenten die Baukosten, zeigt ein Kern-
parameter für den Wohnimmobilienmarkt nach oben", so Milleker.
• Hohe Mietrenditen: Nach Allianz-Schätzungen lag die Mietrendite im gesamtdeutschen Durchschnitt
Anfang 2005 bei 5,4 Prozent. "Damit liegen alle Mietrenditen in Deutschland deutlich über dem aktuellen
Hypothekenzinsniveau", so Milleker. Für den Käufer ergebe dies im Falle der Eigennutzung eine Ersparnis
oder im Falle der Vermietung ein positiver Ertrag. Das seien Anreize, die zu einer vermehrten Nachfrage
und in der Folge zu höheren Preisen führen würde.                                                                                                    DW

Schnell einziehen: Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen ist Wohneigentum in Deutschland
preiswerter als 1991, soll aber künftig deutlich teurer werden.

     
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